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Ratgeber Heizung optimieren & einstellen

Luftfeuchtigkeit in der Wohnung: Was normal ist und ab wann Schimmel droht

Das Hygrometer zeigt 62 Prozent, und am Fenster steht morgens Wasser. Ob das gefährlich ist, entscheidet nicht die Zahl allein, sondern die Temperatur Ihrer kältesten Wand.

Redaktion Heizungsbauer vor OrtMit KI erstelltStand: Oktober 202618 Min. Lesezeit

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Zu hohe Luftfeuchtigkeit in der Wohnung: Schlafzimmer an einem grauen Herbsttag mit beschlagenen Fensterscheiben mit Wassertropfen, auf der Fensterbank ein kleines analoges Hygrometer, darunter ein weißer Flachheizkörper mit Thermostatventil
Symbolbild, KI-generiert
Kurz beantwortet

Normal ist in der Wohnung eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent (Umweltbundesamt, Verbraucherzentrale). Im Winter sollte sie nicht regelmäßig über 50 Prozent liegen (Verbraucherzentrale). Entscheidend ist die kälteste Wandstelle: Erreicht die Luft direkt an der Wand etwa 80 Prozent, kann dort Schimmel wachsen. Gleichmäßiges Heizen und kurzes Stoßlüften helfen, Raumluft und Wand im sicheren Bereich zu halten.

Die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung ist kein Wert, den man einmal abliest und abhakt. Derselbe Hygrometerwert kann im Wohnzimmer harmlos sein und in der kalten Schlafzimmerecke zu Schimmel führen. Dieser Ratgeber zeigt die Richtwerte mit Quellen, rechnet die Schimmelgrenze an der Wand aus und erklärt, was Heizen und Lüften dagegen tun.

Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Wohnung normal?

Normal und gut sind in Wohnräumen 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte. Diesen Bereich empfehlen Umweltbundesamt (UBA) und Verbraucherzentrale (VZ), die VZ bei 18 bis 22 °C Raumtemperatur. Im Winter gilt: Liegt der Wert regelmäßig über 50 Prozent, steigt die Schimmelgefahr (VZ). Unter 30 Prozent bildet sich kein Schimmel, aber trockene Luft kann die Schleimhäute reizen.

SituationRichtwert relative LuftfeuchteQuelle
Wohnräume allgemein (optimale Luftfeuchtigkeit)40 bis 60 %UBA, VZ
Winter, über längere Zeitmöglichst nicht regelmäßig über 50 %, sonst lüftenVZ
Obergrenze auf Dauer65 bis 70 %, im Winter eher wenigerUBA-Ratgeber 2014
Kurz nach Duschen oder Kochenhöher ist normal, danach sofort weglüftenUBA, VZ
Zu trockenunter 30 % (Schleimhäute)VZ
Kritisch direkt an der Wandetwa 80 % (VZ: 70 bis 80 %)UBA-Ratgeber 2014, VZ

Stand: Oktober 2026, Quellen UBA-Leitfaden 2024, UBA-Ratgeber 2014 und Verbraucherzentrale 09/2026.

Die relative Luftfeuchte ist der Anteil Wasserdampf in der Luft, gemessen an der Menge, die sie bei ihrer Temperatur höchstens aufnehmen kann. Die absolute Luftfeuchte ist die tatsächliche Wassermenge in Gramm pro Kubikmeter Luft. Warme Luft kann mehr Wasser tragen als kalte. Kühlt dieselbe Luft ab, steigt deshalb ihre relative Feuchte, obwohl kein Wasser dazukommt.

Über das Jahr schwankt der Wert stark. Der UBA-Leitfaden 2024 beschreibt niedrige Raumluftfeuchte im Winter und höhere im Sommer.

Die zugehörige Messkurve des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik ist im österreichischen Schimmelleitfaden abgedruckt. Dort liegt der Mittelwert, aus der Grafik abgelesen, im ersten Quartal bei rund 30 bis 35 Prozent und im dritten Quartal bei rund 55 bis 60 Prozent. Ein Sommerwert von 60 Prozent ist also normaler als derselbe Wert im Januar.

Was das Hygrometer zeigt und was nicht

Ein Hygrometer ist ein Messgerät für die Luftfeuchte, meist kombiniert mit einem Thermometer. Die VZ nennt es ein Gerät „für wenige Euro im Baumarkt“. Es misst die Luft dort, wo es steht, also meist in Raummitte. Die Feuchte an der kalten Außenwand zeigt es nicht.

Das UBA nennt die Messwerte deshalb nur „eine grobe Einschätzung“. Gut eignet sich das Gerät zur Eigenkontrolle: Ist der Raum warm genug, und haben Sie genug gelüftet? Lesen Sie Feuchte und Temperatur immer zusammen ab. Erst beides zusammen sagt etwas über die Schimmelgefahr, wie der nächste Abschnitt zeigt.

Ab welcher Luftfeuchtigkeit droht Schimmel? Die kalte Wand entscheidet

Bei Luftfeuchtigkeit und Schimmel zählt nicht der Wert in Raummitte, sondern die Feuchte direkt an der Oberfläche. Schimmel kann wachsen, sobald die Luft an einer Wand etwa 80 Prozent relative Feuchte erreicht (UBA-Ratgeber 2014). Die Wand muss dafür weder nass sein noch sich feucht anfühlen. Die VZ setzt die Grenze vorsichtiger bei 70 bis 80 Prozent an.

Warum ist die Wand feuchter als der Raum? Die Luft kühlt an einer kalten Wand ab, und ihre relative Feuchte steigt. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der Wasser aus der Luft kondensiert und als Tropfen sichtbar wird.

Eine Wärmebrücke ist eine Stelle, an der mehr Wärme nach außen abfließt als nebenan, etwa eine Außenecke oder ein ungedämmter Sturz. Dort ist die Wand innen am kältesten.

Die folgende Taupunkt-Tabelle zeigt, wie warm die kälteste Wandstelle mindestens sein muss, damit die Feuchte dort unter 80 Prozent bleibt:

Raumluftfeuchte (Hygrometer, Raum 20 °C)Wand muss wärmer sein als … (unter 80 % an der Wand)Taupunkt (Wasser schlägt sich nieder)
40 %9,3 °C6,0 °C
45 %11,0 °C7,7 °C
50 %12,6 °C9,3 °C
55 %14,1 °C10,7 °C
60 %15,4 °C12,0 °C
65 %16,7 °C13,2 °C
70 %17,9 °C14,4 °C

Für einen Raum mit 18 °C, etwa ein Schlafzimmer, gilt: Bei 50 Prozent muss die Wand über 10,7 °C bleiben (Taupunkt 7,4 °C), bei 60 Prozent über 13,5 °C (Taupunkt 10,1 °C).

Die Norm DIN 4108-2 regelt den Mindestwärmeschutz. Sie verlangt laut dena-Gebäudeforum, dass die ungünstigste Stelle innen mindestens 12,6 °C warm bleibt, bei 20 °C Raumluft, 50 Prozent Feuchte und −5 °C draußen. Daraus folgt eine eigene Ableitung: Die Norm rechnet mit 50 Prozent. Wer im Winter dauerhaft deutlich darüber liegt, verlässt auch in einem normgerechten Haus den Fall, für den es bemessen ist.

Wie knapp das wird, zeigt eine theoretische Rechnung des UBA für einen unzureichend gedämmten Altbau. Die freie Außenwand hat innen 15 °C, dort herrschen 70 Prozent Oberflächenfeuchte. Hinter einem Schrank an derselben Wand sind es nur 11 °C und schon 89 Prozent. In der Außenecke sinkt die Wand auf 6 °C, dort schlägt sich Tauwasser nieder.

Rücken Sie Möbel an schlecht gedämmten Außenwänden deshalb einige Zentimeter ab. Als Richtschnur nennt das UBA etwa 10 cm Abstand. In gut gedämmten Häusern sind Möbel an Außenwänden bei ausreichender Lüftung in der Regel unproblematisch.

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Luftfeuchtigkeit je Raum: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad, Küche, Keller

Für alle Wohnräume gilt derselbe Richtwert von 40 bis 60 Prozent. Eigene, amtlich belegte Feuchtewerte für Bad, Küche oder Keller gibt es nicht. Viele Ratgeber nennen „Bad 50 bis 70 Prozent“, ohne Quelle. Die Unterschiede zwischen den Räumen entstehen durch die Temperatur und durch kurze Feuchtespitzen.

RaumFeuchte-RichtwertTemperatur-EmpfehlungBesonderheitBeleg
Wohnzimmer40 bis 60 %18 bis 22 °CMöbel nicht direkt vor Heizkörper oder kalte AußenwandUBA, VZ
Schlafzimmer40 bis 60 %, besser das untere Ende16 bis 18 °C (UBA), mind. 17 °C (BMUV)kühler Raum, Wand muss bei 50 % über 10,7 °C bleibenUBA, BMUV, eigene Berechnung
Babyzimmer40 bis 60 % (allgemeiner Wert)18 °C zum Schlafenkeine eigene Feuchtezahl amtlichBIÖG
Badkein eigener belegter Wertkeine eigene Angabe in den Quellennach dem Duschen kurz höher, sofort weglüften, Tür zuUBA, VZ (Orientierung)
Küchekein eigener belegter Wertwie Wohnräumebeim Kochen kurz höher, Umluft-Dunstabzug entfernt keine FeuchteUBA (Orientierung)
Flur in der Wohnung40 bis 60 %15 °C (BMUV)Türen zu wärmeren Räumen schließen, die VZ warnt vor mehr als 5 Grad UnterschiedBMUV, UBA, VZ
Wohnraum im Keller oder Souterrain40 bis 60 %muss beheizbar seinim Sommer nur nachts oder früh morgens lüftenUBA

Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer

Im Schlafzimmer ist das Risiko besonders hoch. Der Raum ist kühler, und jede Person gibt laut UBA pro Nacht etwa einen Viertelliter Wasser an die Raumluft ab. Bei 18 °C und 60 Prozent muss die kälteste Wandstelle schon über 13,5 °C bleiben.

Die VZ sieht im Winter schon ab regelmäßig über 50 Prozent eine steigende Schimmelgefahr. Peilen Sie deshalb eher 40 bis 50 Prozent an und lüften Sie morgens gleich nach dem Aufstehen kräftig.

Bad und Küche dürfen kurz deutlich feuchter werden. Danach gehört die feuchte Luft sofort nach draußen, nicht in den Flur. Für das Babyzimmer nennt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) 18 °C zum Schlafen, aber keinen eigenen Feuchtewert.

Ist 60, 65 oder 70 Prozent Luftfeuchtigkeit zu hoch?

Kurz nach dem Duschen oder Kochen sind 70 Prozent Luftfeuchtigkeit in der Wohnung normal. Bleibt der Wert im Winter dauerhaft so hoch, ist er zu hoch. Entscheidend ist, ob Ihre kälteste Wand warm genug bleibt: Bei 20 °C Raumtemperatur und 70 Prozent muss sie über 17,9 °C liegen.

Die VZ rät, ab längerer Zeit über 50 Prozent zu lüften. Das UBA nennt 65 bis 70 Prozent als Obergrenze auf Dauer, im Winter eher weniger.

  • 60 Prozent: Bei 20 °C muss jede Wandstelle über 15,4 °C bleiben. In einem gut gedämmten Gebäude bereitet das laut VZ „für einige Zeit vielleicht keine Probleme“. Hinter einem Schrank in der Außenecke errechnet das UBA aber selbst im gut gedämmten Haus 88 Prozent an der Wand.
  • 65 Prozent: Die Wand muss über 16,7 °C bleiben. Im UBA-Altbaubeispiel liegt die Außenecke bei 6 °C, also weit darunter.
  • 70 Prozent: Die Grenze liegt bei 17,9 °C. Im UBA-Altbaubeispiel hat schon die freie Außenwand nur 15 °C. Hier sollten Sie sofort lüften und die Ursache suchen.

Bei schlechter Dämmung können laut VZ an kalten Tagen schon 40 Prozent an Wärmebrücken zu viel sein. Spätestens wenn die Fensterscheiben von innen beschlagen, ist Lüften fällig.

Hohe Luftfeuchtigkeit in der Wohnung trotz Lüften: Woher kommt sie?

Ein Haushalt mit drei Personen gibt laut UBA-Leitfaden 2024 etwa 6 bis 12 Liter Wasser am Tag an die Raumluft ab. Ein Mensch bei leichter Tätigkeit bringt 30 bis 40 Gramm pro Stunde, Kochen und Duschen jeweils rund 270 Gramm pro Person und Tag. Bleibt die hohe Luftfeuchtigkeit in der Wohnung trotz Lüften bestehen, steckt oft eine dieser Ursachen dahinter:

UrsacheSo erkennen Sie sieWas hilft
Feuchte Außenluft im SommerKeller oder Souterrain wird nach dem Lüften feuchternur nachts oder früh morgens lüften. Lüften trocknet nur, wenn die Außenluft absolut weniger Wasser enthält (VZ)
Dichte neue Fenster im ungedämmten AltbauScheiben beschlagen erst seit dem Fenstertauschöfter stoßlüften, Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 prüfen lassen (Norm, keine gesetzliche Pflicht)
Neubau- oder SanierungsfeuchteHaus jünger als 1 bis 2 Jahre, frischer Putz oder Estrichmehr heizen und lüften, höhere Heizkosten in dieser Zeit sind normal (UBA)
Wäsche in der WohnungWäscheständer im Wohn- oder Schlafraummöglichst draußen trocknen, Kondenstrockner oder Ablufttrockner mit Schlauch ins Freie
Abluft funktioniert nichtDunstabzug läuft auf Umluft, Badlüfter zieht kaumAbluft ins Freie, Schacht mit einem Blatt Toilettenpapier testen, Auslass nie verschließen
Leck in Heizung oder WasserleitungHeizungsdruck fällt, Wasserverbrauch steigt, feuchte StellenFachbetrieb rufen
Feuchte KellerwandAltbau oder Nachkriegsbau, Wand unten dauerhaft feuchtAbdichtung von Sachverständigen prüfen lassen

Der Fenstertausch ist ein typischer Auslöser. Alte, undichte Fenster haben ständig etwas Luft getauscht. Laut einer Modellrechnung im UBA-Leitfaden reichte damit im Altbau eine Stoßlüftung am Morgen.

Mit dichten Fenstern ist die nötige Lüftungshäufigkeit „in der Praxis kaum noch“ zu erreichen. Eine Wohnraumlüftung plant und baut der SHK-Fachbetrieb.

Ein Leck kann sich am Manometer der Heizung zeigen. Das UBA rät ausdrücklich, auf Druckabfall und steigenden Wasserverbrauch zu achten. Wenn Ihre Heizung Druck verliert, kann das Wasser in Wand oder Boden landen.

Was senkt die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung?

Um die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung zu senken, muss die Feuchte nach draußen, oder es darf weniger entstehen. Den mittleren Feuchtegehalt der Luft verringert laut UBA nur aktives Lüften, ein Entfeuchter kann in Einzelfällen ergänzen (siehe FAQ). Auf die Wände ist kein Verlass: „Atmende Wände“ gibt es laut UBA nicht, durch intakte Wände findet kein nennenswerter Luftaustausch statt. Putz und Holz puffern nur Spitzen ab.

Senkt Heizen die Luftfeuchtigkeit? Richtig heizen gegen Feuchte

Ja, Heizen senkt die relative Luftfeuchte und wärmt die Wand. Das UBA schreibt dazu: Heizen erhöht die Raumtemperatur und verringert dadurch bei gleichem Wassergehalt die relative Feuchte. Außerdem steigt die Oberflächentemperatur der Innenwände. „Beide Effekte tragen somit zu einer Vermeidung von Schimmelwachstum bei.“

Die Wassermenge in der Luft bleibt beim Heizen gleich. Hinaus bringt sie laut UBA nur aktives Lüften. Fünf Regeln setzen das Heizen um:

  1. Mindesttemperatur halten. Das UBA nennt für Schlafräume 16 bis 18 °C, die VZ für alle Wohn- und Schlafräume tagsüber mindestens 16 bis 18 °C, das BMUV konstant mindestens 17 °C. Das sind Empfehlungen, keine Norm. Bei schlechtem Bauzustand ist laut VZ oft mehr nötig.
  2. Türen zu kühleren Räumen schließen. Warme Luft, die in einen kühlen Raum strömt, bringt ihre Feuchte mit. Unterschiede von mehr als 5 Grad zwischen Räumen können laut VZ schnell zu Schimmel führen.
  3. Nachts drosseln, aber mit Maß. Absenken ist möglich, laut UBA aber nur, wenn dadurch an kalten Oberflächen keine zu hohe Feuchte entsteht.
  4. Heizkörper frei lassen. Verkleidungen, breite Fensterbänke, Vorhänge oder ein Sofa davor mindern die Wärmeabgabe. Im ungünstigen Fall wird die gewünschte Temperatur nicht mehr erreicht (UBA).
  5. Beim Stoßlüften den Thermostatkopf zudrehen. Der Fühler im Kopf misst sonst die kalte Luft und öffnet das Ventil weit. Nach dem Schließen des Fensters stellen Sie wieder die gewohnte Stufe ein. Die Heizungsanlage selbst schalten Sie dafür nie aus.
Eine Frau dreht den weißen Thermostatkopf an einem Flachheizkörper unter dem Fenster zu, während ein Fensterflügel zum Stoßlüften weit offen steht.
Symbolbild, KI-generiert: Vor dem Stoßlüften das Thermostat zudrehen, damit der Heizkörper nicht gegen die kalte Frischluft anheizt.

Ein Beispiel zeigt, warum ein kaltes Schlafzimmer heikel ist. Strömt Luft mit 20 °C und 50 Prozent in ein Schlafzimmer mit 16 °C, steigt ihre Feuchte dort auf rund 64 Prozent (eigene Berechnung). Die Wand muss dann deutlich wärmer bleiben als bei 50 Prozent.

Wird ein Raum trotz offenem Thermostat nicht warm, ist das ein Heizungsproblem, kein Lüftungsproblem:

Was Sie merkenMögliche UrsacheWas hilft / wer
Heizkörper oben kalt oder gluckertLuft im Heizkörperentlüften, danach Heizungsdruck prüfen
Einzelne Räume bleiben kühl, andere werden zu warmfehlender hydraulischer AbgleichFachbetrieb
Ganzes Haus wird an kalten Tagen nicht warmHeizkurve zu niedrig eingestelltFachbetrieb, gut bei der Wartung
Heizkörper bleibt trotz Stufe 5 kaltVentilstift klemmtKopf abnehmen, Stift mit einem festen Gegenstand vorsichtig hineindrücken, kein Öl, keine Zange. Sonst Fachbetrieb
Heizkörper wird warm, Raum trotzdem zu kühlHeizkörper zu klein für den RaumHeizkörpergröße prüfen lassen, Heizkörper tauschen
Heizungsdruck fällt immer wiederLeck in der AnlageFachbetrieb

Werden einzelne Räume nicht warm, andere aber zu warm, verteilt sich das Heizwasser ungleich. Ein hydraulischer Abgleich stellt die Wassermenge für jeden Heizkörper passend ein. Bei der jährlichen Heizungswartung lässt sich die Heizkurve gleich mitprüfen.

Bleibt ein Heizkörper auf jeder Stufe kalt, kann ein klemmendes Heizungsventil dahinterstecken. Verstellen Sie bei abgenommenem Kopf nichts am freiliegenden Ventil, sonst ist die Voreinstellung für den Abgleich weg. Ist der Heizkörper für den Raum zu klein, hilft es, zu kleine oder alte Heizkörper zu tauschen.

Richtig lüften: Wie oft und wie lange?

Zum richtigen Heizen und Lüften gehört beides zusammen. Lüften ist laut UBA „das wirksamste Mittel, um Feuchte aus der Wohnung zu entfernen“. Wie lange und wie oft, sagen die Quellen unterschiedlich:

QuelleWinterSommer bzw. ÜbergangszeitHäufigkeit
UBAca. 5 Minuten pro Raum10 bis 20 Minuten2- bis 3-mal täglich
BMUV5 bis 10 Minuten20 bis 30 Minutenkeine feste Zahl
Verbraucherzentrale3 bis 5 Minuten bei Kälte und Wind10 bis 20 Minuten im Frühjahr und Herbstmindestens 3- bis 4-mal täglich
co2online5 bis 30 Minuten über das Jahr, ohne Aufteilung nach Jahreszeitin der Spanne enthalten3- bis 4-mal täglich

Die VZ sagt offen, dass es keine Pauschalregel geben kann. Der Bedarf hängt von Feuchtelast, Dämmung, Dichtheit, Grundriss und Wetter ab. Als Faustregel gilt: Je kälter es draußen ist, desto kürzer reicht das Stoßlüften mit weit geöffnetem Fenster.

Ein dauerhaft gekipptes Fenster kühlt die Wand am Fenster aus und erhöht laut UBA den Energieverbrauch drastisch. Einzige Ausnahme laut VZ: In Bad oder Küche nach dem Stoßlüften kippen, bis die Feuchte unter 50 Prozent gesunken ist, die Heizung dabei auf kleiner Stufe.

  • Bad: Nach dem Duschen Fenster ganz auf, Tür zu, nicht quer durch die Wohnung lüften. Wasser von den Fliesen abziehen. Nasse Handtücher auf dem Heizkörper trocknen, die Heizung im Bad im Winter dabei nicht abschalten (UBA).
  • Küche: Während und nach dem Kochen 5 bis 10 Minuten lüften, Tür zu. Ein Dunstabzug auf Umluft entfernt keine Feuchte.
  • Schlafzimmer: Morgens gleich nach dem Aufstehen stoßlüften.

Beim Thermostat widersprechen sich die Quellen. Das BMUV rät, die Heizkörper bei offenem Fenster abzudrehen, co2online ebenso. Andere Ratgeber halten das für unnötig, und das UBA will die Badheizung beim Handtuchtrocknen nicht abgeschaltet sehen. Für das kurze Stoßlüften in Wohnräumen ist das Zudrehen des Kopfes sinnvoll, wie oben beschrieben.

Zu trockene Luft im Winter: Liegt es an der Heizung?

Nein. Die Heizung entzieht der Luft kein Wasser. Trocken wird die Raumluft im Winter, weil kalte Außenluft beim Lüften hereinkommt und sich erwärmt.

Kalte Luft enthält sehr wenig Wasser. Auf 20 °C erwärmt, sinkt ihre relative Feuchte stark, wie diese Rechnung aus dem UBA-Leitfaden 2024 zeigt:

Außenluft (80 % relative Feuchte)WassergehaltNach Erwärmen auf 20 °C
−10 °C1,7 g/m³rund 9 %
0 °C3,9 g/m³rund 21 %
10 °C7,5 g/m³rund 42 %
20 °C13,5 g/m³rund 80 %

Das sind theoretische Werte. In der Praxis geben Putz, Möbel und Textilien Feuchte ab. Sehr trockene Luft unter 20 Prozent über längere Zeit ist deshalb laut UBA außerhalb alpiner Regionen die Ausnahme.

Luftfeuchtigkeit erhöhen: Was hilft?

Um die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung zu erhöhen, helfen einfache Schritte:

  • Räume nicht wärmer heizen als nötig, denn jedes Grad mehr senkt die relative Feuchte.
  • Kurz und kräftig stoßlüften statt das Fenster lange zu kippen.
  • Einen Luftbefeuchter nur mit Hygrometer betreiben und regelmäßig reinigen (UBA). Sonst steigt die Feuchte zu hoch, und das Schimmelrisiko wächst.

Wasserschalen auf dem Heizkörper nennen UBA und VZ nicht als Mittel. Viele Zimmerpflanzen zählt das UBA in feuchten Räumen sogar zu den Feuchtequellen, die man im Winter vermeiden soll. Wer befeuchtet, kontrolliert den Wert mit dem Hygrometer.

Mietwohnung: Wer ist verantwortlich?

Schimmel in der Mietwohnung führt oft zu Streit. Der Bundesgerichtshof hat 2018 entschieden: Wärmebrücken sind kein Mangel, wenn das Haus den Bauvorschriften seiner Errichtungszeit entspricht (VIII ZR 271/17 und VIII ZR 67/18, Baujahre 1968 und 1971). Welches Lüften einem Mieter zumutbar ist, wird im Einzelfall bestimmt.

Oft zitiert wird „zweimal 15 oder dreimal 10 Minuten Stoßlüften am Tag“. Das war die Einschätzung des Gutachters in diesem Fall, keine allgemeine Pflicht für alle Mieter. Der BGH sah darin nur nichts Unzumutbares.

Was Sie als Mieter tun können:

  • Feuchte und Temperatur über einige Tage notieren, Schimmel fotografieren.
  • Den Vermieter schriftlich informieren, vor allem wenn ein Raum nicht warm wird oder die Heizung ausfällt.
  • Rat holen beim Mieterverein. In Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Hessen kann die Wohnungsaufsicht der Stadt beraten und die Beseitigung von Mängeln anordnen.
  • Bei Streit über die Ursache Sachverständige einschalten.

Stand der Rechtsangaben: Oktober 2026.

Wann Sie einen Fachbetrieb brauchen

Viel lässt sich mit Hygrometer, Heizen und Lüften selbst lösen. Bleibt das Problem, liegt die Ursache oft in Heizung, Lüftung oder Bauwerk.

Wann der Heizungsbauer ran sollte

Rufen Sie einen Fachbetrieb, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Ein Raum erreicht trotz voll aufgedrehtem Thermostat nicht die empfohlenen 16 bis 18 °C.
  • Heizkörper werden nur teilweise warm, gluckern oder bleiben trotz Entlüften kalt.
  • Der Heizungsdruck fällt immer wieder, oder an Rohren und Ventilen zeigen sich feuchte Stellen.
  • Nach dem Fenstertausch beschlagen die Scheiben, und die Feuchte bleibt trotz Lüften hoch.
  • Schimmel kehrt an derselben Stelle zurück oder ist größer als 0,5 m².

Selbst können Sie messen, lüften, Heizkörper entlüften, Möbel abrücken und den Thermostatkopf richtig bedienen.

Den hydraulischen Abgleich, die Heizkurve, den Ventiltausch und eine Wohnraumlüftung übernimmt der Heizungsbauer (SHK-Fachbetrieb). Einen Badlüfter mit festem Stromanschluss setzt der Elektrofachbetrieb. Feuchte Kellerwände, Wärmebrücken und Innendämmung gehören zu Bausachverständigen oder einer Fachfirma. Größeren Schimmel über 0,5 m² beseitigen Sachverständige oder ein Sanierungsfachbetrieb.

Heizungsbauer finden

Verschließen Sie Abluftöffnungen oder Lüfter nie, auch wenn es zieht. Das UBA sagt dazu: „Auf keinen Fall.“ Ein Heizungsbauer kann beim Termin prüfen, ob ein Raum wegen der Heizung zu kalt bleibt oder ob die Ursache woanders liegt.

Häufige Fragen

Was ist besser für die Lunge, trockene oder feuchte Luft?

Beide Extreme sind ungünstig. Unter 30 Prozent kann trockene Luft die Schleimhäute reizen (Verbraucherzentrale). Dauerhaft hohe Werte begünstigen Schimmel und Hausstaubmilben (co2online), und Schimmelbefall kann die Atemwege reizen und Allergien auslösen (Umweltbundesamt). Wer Asthma oder eine andere Atemwegserkrankung hat, bespricht den passenden Bereich am besten mit der Ärztin oder dem Arzt.

Welche Luftfeuchtigkeit ist im Babyzimmer richtig?

Eine eigene Feuchte-Empfehlung für Babys nennt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) nicht. Es gilt der allgemeine Richtwert von 40 bis 60 Prozent. Amtlich empfohlen ist eine Raumtemperatur von 18 °C zum Schlafen, weil Säuglinge sich schnell überwärmen. Lüften Sie regelmäßig einige Minuten bei ganz geöffnetem Fenster, nicht dauerhaft gekippt.

Darf ich Wäsche in der Wohnung trocknen?

Verboten ist es nicht, aber das Umweltbundesamt rät: Wäsche nach Möglichkeit nicht in der Wohnung trocknen. Eine geschleuderte Maschinenladung (4,5-kg-Trommel) gibt 50 bis 200 Gramm Wasser pro Stunde ab, tropfnass 100 bis 500 Gramm. Geht es nicht anders, trocknen Sie in einem beheizten Raum mit geschlossener Tür und lüften dort öfter. Ein Kondenstrockner ist eine Alternative.

Hilft ein Luftentfeuchter gegen hohe Luftfeuchtigkeit?

Lüften ist laut Umweltbundesamt das wirksamste Mittel, um Feuchte aus der Wohnung zu bringen. Ein Entfeuchter kann helfen, wo Lüften wenig bringt, etwa im Souterrain im Sommer (Verbraucherzentrale). Er beseitigt aber keine Ursache wie ein Leck, eine feuchte Kellerwand oder einen zu kühlen Raum. Prüfen Sie diese Punkte zuerst.

Gibt es eine Pflicht für eine Lüftungsanlage?

Im Bestand nein. Die DIN 1946-6 verlangt ein Lüftungskonzept, das den Feuchteschutz unabhängig vom Nutzer sichert, sie ist aber eine Norm und kein Gesetz. § 13 GModG regelt die Luftdichtheit nur beim Errichten eines Gebäudes. Eine Lüftungsanlage im Bestand ist über die BAFA-Förderung für Einzelmaßnahmen förderfähig, der Antrag läuft dort nur mit einem Energieeffizienz-Experten.

Darf ich Schimmel selbst entfernen?

Kleinen, nur oberflächlichen Befall unter 0,5 m² dürfen Sie laut Umweltbundesamt selbst beseitigen. Das gilt nur, wenn Sie keine Allergie, keine chronische Atemwegserkrankung und kein geschwächtes Immunsystem haben. Wichtiger als das Entfernen ist die Ursache. Bleibt die Wand zu kalt oder die Luft zu feucht, kommt der Schimmel an derselben Stelle wieder.

Quellen

  1. Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (Stand: 2024-04)
  2. Umweltbundesamt: Ratgeber Schimmel im Haus (Stand: 2014-12)
  3. Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig? Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung (Stand: 2026-09)
  4. Umweltbundesamt: Richtig heizen, Schimmelbildung vermeiden (Stand: 2026-09)
  5. Umweltbundesamt: Häufige Fragen bei Schimmelbefall (Stand: 2026-09)
  6. Verbraucherzentrale: Heizen und Lüften: So geht's richtig (Stand: 2026-09)
  7. Bundesumweltministerium (BMUV): Richtiges Lüften und Heizen (Stand: 2026-09)
  8. dena-Gebäudeforum: Mindestwärmeschutz (DIN 4108-2) (Stand: 2026-09)
  9. Bundesgerichtshof: Pressemitteilung 179/2018 zu VIII ZR 271/17 und VIII ZR 67/18 (Wärmebrücken, Schimmel) (Stand: 2018-12)
  10. co2online: Richtig lüften (Stand: 2026-02)
  11. BIÖG (kindergesundheit-info.de): Die Schlafumgebung für das Baby (Stand: 2026-10)
  12. BMNT Österreich: Schimmelleitfaden (Abb. 18, Jahresgang der Raumluftfeuchte, Fraunhofer IBP) (Stand: 2019-01)
  13. BAFA: Bundesförderung für effiziente Gebäude, Anlagentechnik (außer Heizung) (Stand: 2026-09)

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